Stress (Eustress,
Disstress)
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Auszug -
Vorbemerkungen:
Ungezählte
Kriege, drohende und erlebte Wetterkatastrophen, die Erfahrungen des
Ausgeliefertseins gegenüber Krankheiten, besonders den Infektionskrankheiten
mit ihrer hohen Sterblichkeit, hohe Arbeitsleistung, auch Armut und das Fehlen
jeder Versicherungsmöglichkeit, haben in der in feudale und ständische Abhängigkeit
eingezwängten bäuerlich geprägten vorindustriellen Gesellschaft nicht
vermocht jenes Maß an empfundenem Stress zu produzieren, welches heute in einer
vielfach gesättigten Welt die Menschen belastet. An dieser Stelle sind nur Gründe
dafür zu diskutieren, die aus dem Arbeitsleben resultieren oder mit diesem
zusammenhängen. So sind gerade in der modernen Zeit stressbedingte Erkrankungen das zweithäufigste berufliche
Gesundheitsproblem. Und im Gegensatz zur landläufigen Meinung handelt es sich
hier nicht um eine Krankheit der Manager, die interessante, emotional und
intellektuell befriedigende Aufgaben haben, sondern um eine Krankheit derer, die
auf Entscheidungen anderer angewiesen sind und nur in geringem Maß ihr Leben
selbst beeinflussen können. Sowohl betriebswirtschaftlich durch Fehlzeiten und
innere Kündigung als auch volkswirtschaftlich durch Frühberentungen entstehen
Kosten von vielen Milliarden Euro.
Definition:
Stress
beschreibt die Körperreaktion auf belastende Einflüsse. Gemeint ist somit der
Zustand eines Organismus und nicht die Ursache (= Strain bzw. Stressor). Geprägt
wurde der Begriff 1950 von dem ungarisch-kanadischen Arzt Hans Selye, der
zunächst nur ganz wertneutral die Reaktion von biologischen Systemen auf
Belastungen beschrieb. Später benannte er den positiv empfundenen Stress
Eustress und den negativ empfundenen Stress Disstress.
Die
ILO definierte im Jahr 2000 folgendermaßen: Arbeitsbedingter Stress liegt immer
dann vor, wenn die Anforderungen die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten
überschreiten.
Eustress und Disstress:
Stress ist zunächst positiv, da ein gewisses Maß an
Anspannung für unser persönliches Wohlergehen unerlässlich ist (Eustress
).
Die individuelle Belastbarkeit ist jedoch sehr unterschiedlich und stark
subjektiven Bedingungen unterworfen.
Können die Beanspruchungen nicht mehr kompensiert
werden (Disstress
),
kommt es zu Symptomen der Über- oder auch Unterforderung.
Stressoren
:
Alle
inneren und äußeren Anforderungen. Diese werden vom Organismus in positive und
negative Reize eingeteilt. Negative Stressoren sind Situationen, die als
unangenehm und/oder bedrohlich erlebt werden. Besonders starke negative
Stressoren sind Enttäuschungen, Versagensängste, Unsicherheiten in der
Beurteilung einer Situation und Unterforderung.
Eine
allgemeine Einteilung ist möglich in folgende Stressoren: physikalische (Lärm, Hitze, schlechtes Licht), leistungsbedingte
(Zeitdruck, zuviel oder zuwenig Verantwortung, Überforderung,
Unterforderung, Monotonie) und soziale
(Konflikte mit Kollegen/Vorgesetzten, fehlende Anerkennung, Gefühl des
Ausgeliefertseins, Probleme in der Partnerschaft und der Familie, beengte
Wohnverhältnisse).